Den Auftakt bildete der Pontifikalgottesdienst in der festlich geschmückten ursprünglich gotischen Kirche „Unsere Liebe Frau“, in Bamberg bekannt als Obere Pfarre. Mit Erzbischof Herwig Gössl, der innerhalb der Deutschen Bischofskonferenz vor kurzem auch die Aufgabe des Caritas-Bischofs übernommen hat, stand ein besonderer Ehrengast der Eucharistiefeier vor. Seine Verbindung zur Caritas verlieh dem Jubiläum der Schule in Trägerschaft der Caritas-Schulen gGmbH eine zusätzliche Bedeutung.
Der kleine Weg als gelebter Auftrag
Erzbischof Gössl stellte in seiner persönlichen und nachdenklichen Predigt den „kleinen Weg“ der Namenspatronin Thérèse von Lisieux in den Mittelpunkt: Menschlichkeit zeige sich in alltäglicher Zuwendung und kleinen Gesten der Nächstenliebe, nicht im Streben nach Größe oder öffentlicher Aufmerksamkeit. Eine Botschaft, die unmittelbar an das christliche Selbstverständnis des Theresianums und seinen besonderen pädagogischen Auftrag anknüpft.
Zahlreiche Priester konzelebrierten, darunter viele ehemalige Schüler des Theresianums sowie Domkapitular Monsignore Clemens Bieber. Rund um den Altar wurde es beinahe eng – ein sichtbares Zeichen der Verbundenheit über Generationen hinweg. Die musikalische Gestaltung durch Lehrerinnen und Schülerinnen und Schüler des Theresianums, besonders der Gesang der Sopransolistin Irina Rummel, verlieh der Feier eine bewegende Atmosphäre.
Die Fürbitten trugen Schülerinnen und Schüler unterschiedlicher kultureller und religiöser Herkunft vor, darunter muslimische Schülerinnen mit Kopftuch. Damit wurde die Vielfalt der heutigen Schulgemeinschaft auch im Gottesdienst sichtbar.
Ein Schulfest über Generationen hinweg
Anschließend ging es in die herbstlich geschmückte Schule, wo Kürbissuppe für alle bereitstand. Beim gemeinsamen Essen begegneten sich die Generationen; mit zahlreichen Gästen und Ehemaligen platzte das Theresianum beinahe aus allen Nähten. Die heutigen Schülerinnen und Schüler hatten gebacken, dekoriert und vorbereitet und hießen die Ehemaligen willkommen.
Im Festakt spannten Schulleiterin Jutta Sieberz-Pozza und der langjährige Kollege und Stellvertreter Dieter Bördlein den Bogen zwischen Tradition und Aufbruch. Die Schulleiterin betonte, dass christliche Werte wie Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe im Schulalltag erfahrbar werden müssen – gerade angesichts gesellschaftlicher Ausgrenzung.
Domkapitular Monsignore Clemens Bieber würdigte aus Sicht des Schulträgers die besondere Bedeutung des Theresianums. Er erinnerte daran, wie wichtig es gewesen sei, die Schule zu erhalten, und hob den Mut hervor, mit dem die Caritas Verantwortung für ihre Zukunft übernommen hatte. Auch Geschäftsführer Rudolf Hofmann wurde für seine Arbeit für die Schule gewürdigt. „1946, direkt nach dem Krieg, ging es um die Zukunft, vor neun Jahren bei Bemühen um den Erhalt des Theresianums ging es um die Zukunft und heute geht es auch um die Zukunft, die durch die hier qualifizierten Schülerinnen und Schüler mit geprägt werden wird!“
Besonders eindrücklich war Biebers Bezug auf die Geschichte einer Schülerin, die davon berichtet hatte, dass ihr früher wenig zugetraut worden war. Am Theresianum hatte sie Unterstützung erfahren und einen erfolgreichen schulischen Weg einschlagen können. Ihre Erfahrungen machten anschaulich, was der Bildungsauftrag der Schule für einen einzelnen Menschen bedeuten kann. Von dem Bemühen der Schule beeindruckt, schloss Domkapitular seine Ansprache mit der Feststellung: „Das Theresianum ist ein Segen für unsere Gesellschaft!“
Die Dritte Bürgermeisterin der Stadt Bamberg Eva Jutzler unterstrich die Bedeutung des Theresianums für die Bamberger Bildungslandschaft. Sie erzählte von persönlichen Verbindungen zur Schule und von der herzlichen Aufnahme, die sie an diesem Tag erlebt hatte. Auch die Energie, mit der die Schule unter ihrer heutigen Leitung weiterentwickelt wird, fand in ihrem Grußwort Anerkennung.
Stephan Rehäuser, früher stellvertretender Schulleiter am Theresianum und heute Sprecher der Bamberger Gymnasien, sprach persönlich über Bildungswege mit Umwegen. Dr. Oliver Killgus, Sprecher der bayerischen Kollegs, betonte die Verantwortung der Schulen, jungen Menschen die Fähigkeiten zu vermitteln, die von ihnen erwartet werden.
Schulgeschichte aus Sicht der jungen Generation
Ein Höhepunkt war der Jubiläumsfilm der Videogruppe unter Leitung von Alexander Pozza. Drei Schülerinnen und Schüler müssen darin mehr oder weniger freiwillig das Archiv aufräumen und gehen dabei auf Spurensuche. Die Mischung aus Spielfilm, historischen Rückblicken und persönlichen Erzählungen begeisterte das Publikum. Sie zeigte, wie viel Zutrauen und persönliche Begleitung für einen Lebensweg bedeuten können.
Bildung und Neubeginn seit 1946
1946 von den Karmeliten gegründet, eröffnete das Theresianum in der Nachkriegszeit neue Bildungswege. Heute knüpfen die inzwischen zwei Migrationsklassen an diesen Auftrag an: Sie unterstützen begabte junge Menschen mit Fluchterfahrung auf ihrem Weg zum Abitur. Mit der neuen FOS Gestaltung erweitert die Schule zugleich das kreative Bildungsangebot in der Künstlerstadt Bamberg.
Die Schülerinnen und Schüler haben das letzte Wort
Zu den bewegendsten Momenten des Festakts gehörten die Beiträge der Schülersprecher Michael Johann und Marie Reinhard. Aus ihrer eigenen Perspektive beschrieben sie, welche Bedeutung das Theresianum für die jungen Menschen hat, die hier lernen.
Marie Reinhard, die im Jubiläumsfilm die heilige Thérèse verkörpert hatte, schloss mit einem selbst verfassten Gedicht. Darin griff sie den Gedanken auf, dass die entscheidenden Dinge oft im Kleinen liegen. Zugleich brachte sie zum Ausdruck, dass das Theresianum für viele ein Ort ist, an dem sie Unterstützung und eine neue Chance erhalten.
So kehrte der Festakt zu jener Botschaft zurück, die bereits den Gottesdienst geprägt hatte. Der „kleine Weg“ zeigte sich in den Erfahrungen der jungen Menschen: im Zutrauen, das jemand ihnen schenkt, in der Hilfe im richtigen Moment und in einer Gemeinschaft, die sie auf ihrem Bildungsweg begleitet. Beim anschließenden Ehemaligenfest blieb Zeit für Wiedersehen und Erinnerungen. Was die Verbundenheit mit dem Theresianum ausmacht, hatte Marie Reinhard in ihrem Gedicht auf den Punkt gebracht:
„Nicht die Stunden, die im Stundenplan stehen,
sondern Menschen, die sich Zeit nehmen und ein Stück mit uns gehen.“
Ein besonderer Dank gilt allen, die diesen Tag möglich gemacht haben: den Verantwortlichen und Mitwirkenden des Gottesdienstes, der Musikgruppe, der Videogruppe unter Alexander Pozza sowie den Schülerinnen und Schülern, die mit ihren Beiträgen und ihrer tatkräftigen Hilfe das Fest gestalteten. Ebenso gehören die ehemaligen und heutigen Lehrkräfte, das Sekretariat, die Reinigungskräfte und alle weiteren Mitarbeitenden zu dieser Geschichte. Ihr Einsatz trägt die Schule im Alltag. Das 80-jährige Jubiläum hat sichtbar gemacht, wie lebendig der Gründungsgedanke des Theresianums geblieben ist.
Jutta Sieerz-Pozza | Theresianum Bamberg































