Als gelungenes und bereicherndes Zusammenspiel von Theorie und Praxis bewerteten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der Abschlussrunde den ersten Ethiktag 2026. Er fand am 22. April im Würzburger Schönstattzentrum Marienhöhe statt.
Ethische Fallbesprechungen
Im Mittelpunkt des ganztägigen Kurses stand das Thema „Ethische Fallbesprechungen“ – ein Instrument, das sich in vielen Einrichtungen der Altenhilfe und darüber hinaus bereits bewährt hat, mancherorts jedoch noch intensiviert oder erst eingeführt werden muss. „Entscheidend und hilfreich ist der multiprofessionelle Blick auf ein Problem“, erläuterte Fachberaterin Christina Löber, die die Veranstaltung des Diözesan-Caritasverbandes gemeinsam mit Dr. Sebastian Schoknecht konzipiert hatte.
Löber erinnerte daran, dass Bewohnerinnen und Bewohner viele Sozialkontakte innerhalb und außerhalb einer Einrichtung haben können, die im Ernstfall einbezogen werden sollten – etwa wenn es um die Ermittlung des mutmaßlichen Willens oder andere Herausforderungen gehe. "Manchmal weiß die Reinigungskraft erstaunlich viel, oder die Leitung der Hauswirtschaft kann wichtige Erkenntnisse beisteuern", so Löber aus eigener Erfahrung berichtend.
Den Nachmittag nutzte die Gruppe, um moderierte und protokollierte ethische Fallbesprechungen praktisch zu erproben. Dazu hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eigene Anliegen mitgebracht. „Dieser kollegiale Austausch hat mir besonders viel gegeben“, war in der Abschlussrunde des Tages immer wieder zu hören.
Prinzipien und Care-Ethik
Schoknecht nutzte den Vormittag für einen eher theoretischen Impuls, um die vier Grundprinzipien der Bioethik nach Beauchamp und Childress, die längst einen Standard darstellen, zu wiederholen und einen Einblick in den Ansatz der Care-Ethik nach Joan Tronto zu geben. Neben dem Wissen und der Bereitschaft, sich auf Ethik als Reflexion einzulassen, brauche es konkrete Schritte, um theoretische Erkenntnisse auch praktisch im System umzusetzen. Zeitdruck, Personalmangel und Bürokratie stünden dem jedoch oft entgegen, so Schoknecht.
Die Fachkräfte aus der Pflege ergänzten, dass die Arbeit mit Angehörigen zunehmend herausfordernder werde. „Wir erleben dabei nicht selten überhöhte Ansprüche und auch vermehrt Aggressivität“, führte eine Pflegedienstleiterin aus. Bei aller Freude am Beruf, darin waren sich alle einig, werde die Arbeit auch in Zukunft vermutlich nicht einfacher.
Assistierter Suizid
Vorgestellt wurde auch das umstrittene Thema „Assistierter Suizid“. Hierzu habe die Deutsche Bischofskonferenz gemeinsam mit dem Deutschen Caritasverband eine hilfreiche Handreichung erarbeitet, so Schoknecht. „Für die Einrichtungen der Caritas und ihre Pflegekräfte in Unterfranken gibt es zudem einen knappen Leitfaden.“ Einrichtungen der Caritas sollten lebensbejahende Orte sein, an denen assistierter Suizid keine Option darstelle, so Schoknecht.
Rückblickend auf den Ethiktag bedauerten viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer, dass für dieses wichtige Thema zu wenig Zeit zur Verfügung gestanden habe.
Ausblicke
Die Dankbarkeit für den Tag gab Christina Löber an die engagierten Fachleute aus den Einrichtungen zurück. „Bitte geben Sie uns Wünsche und Themen weiter, die wir beim Ethiktag im Herbst aufgreifen können“, ermutigte sie. Auch sonst stehe sie für Fragen und Anregungen jederzeit zur Verfügung. Der Gruppe wünschte sie abschließend Mut, für die eigenen Werte und Anliegen einzustehen. „Und achten Sie bitte auf sich selbst, denn wer immer nur gibt, ist irgendwann ausgebrannt.“
Sebastian Schoknecht | Caritas





