Ein Baustein des Projekts ist in Würzburg der alternative Stadtrundgang „Bahnhofsgeschichten vom Ankommen, Bleiben und Weitergehen“. An verschiedenen Stationen rund um den Würzburger Hauptbahnhof erhalten die Teilnehmenden neue Einblicke in einen Ort, den viele Menschen täglich passieren – dessen soziale Bedeutung jedoch oft kaum wahrgenommen wird. Der Rundgang macht deutlich, warum der Bahnhof für Menschen in prekären Lebenslagen weit mehr ist als ein Verkehrsknotenpunkt. Für viele ist er Aufenthaltsort, Treffpunkt oder ein Stück Alltag.
Die Hintergründe dafür sind vielfältig. Klar ist aber: Für Menschen mit geringem Einkommen wird es auf dem profitorientierten Mietmarkt immer schwieriger, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Auch in Würzburg steigt die Zahl der wohnungslosen Menschen kontinuierlich. Allein in den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl der Menschen, die aufgrund drohender Obdachlosigkeit untergebracht werden mussten, verdoppelt – darunter auch viele Familien.
Damit gewinnt der öffentliche Raum zunehmend an Bedeutung. Für Menschen, die auf engstem Raum leben oder keine eigene Unterkunft haben, sind Orte wie der Bahnhof wichtige Anlaufstellen. Während die einen auf ihren Zug warten, verbringen andere dort viele Stunden ihres Tages – manche sogar die Nacht. Umso wichtiger ist es, den Bahnhof als offenen Ort für alle zu erhalten und ein gutes Miteinander zu fördern.
Genau hier setzt der Rundgang an: Er lädt dazu ein, die Perspektive zu wechseln und den Bahnhof mit anderen Augen zu sehen. Wie dieser Perspektivwechsel wirken kann, zeigt die Rückmeldung einer Teilnehmerin: „Der Rundgang hat meinen Blick verändert. Vieles davon wird mich sicher noch länger beschäftigen.“
Esther Schießer | Projekt „Sozialraum Bahnhof“





