Die Weihnachtsmarken 2008 sind ab sofort bei allen Postämtern, Caritasverbänden und vielen Pfarreien zu beziehen. Mit ihren Zuschläge von zwanzig bzw. 25 Cent unterstützen die 1969 erstmals erschienenen Sonderpostwertzeichen die Arbeit der Freien Wohlfahrtspflege in Deutschland. Die Marken zeigen mit Werken Albrecht Dürers und Raffaellos Weihnachtsszenen von zwei der bedeutendsten Renaissancekünstler. Die "Geburt Christi", Dürers Mitteltafel des so genannten Paumgartner Altars, befindet sich in der Alten Pinakothek in München, das von Raffaello konzipierte Fresko "Anbetung der Könige" schmückt die Loggien des Vatikans in Rom.
Der Flügelaltar, den Albrecht Dürer um 1500 im Auftrag der Nürnberger Patrizierfamilie Paumgartner als einen der ersten größeren Aufträge nach seiner Italienreise schuf, stand ursprünglich in der Nürnberger Dominikanerinnen-Klosterkirche St. Katharina. Stephan Paumgartner hatte ihn im Kontext seiner Pilgerfahrt ins Heilige Land und zum Gedächtnis seiner Eltern bestellt. 1613/14 schenkte der Nürnberger Stadtrat dem bayerischen Herzog Maximilian I. das hoch geschätzte Werk. Die Briefmarke zeigt die Mitteltafel mit der Geburt Christi. Von kindlichen Engeln umgeben, liegt das Neugeborene auf dem Mantelzipfel seiner Mutter Maria und wird von ihr angebetet. Dürer verlegt die Szenen unter das Vordach einer ruinösen Palastanlage und demonstriert hier erstmals die in Italien erlernte perspektivische Zeichnung. Eingerahmt durch das Vordach und die dunkle Arkade werden Maria und ihr Sohn hervorgehoben und wie ein Bild im Bild präsentiert. Zu beiden Seiten des Vordergrundes beten die miniaturhaft verkleinerten Mitglieder der Familie Paumgartner neben ihren Patrizierwappen: Links kniet Barbaras zweiter Ehemann, Hans Schönbach und ihr 1487 verstorbener Ehemann Martin mit seinen Söhnen, rechts die Mutter Barbara Volckamer mit einer verheirateten und einer ledigen Tochter.
Raffaellos Bild zeigt ein kleines Fresko mit der Anbetung der Könige. Es ist Teil der komplexen Ausstattung der Loggia, die den ehemaligen Gemächern Papst Leos X. im Apostolischen Palast vorgelagert ist. Ihre Dekoration wurde von Raffaello konzipiert und von seinen Schülern und Mitarbeitern Giulio Romano und Gianfrancesco Penni ab 1517 ausgeführt. Die Gewölbe des offenen Wandelganges sind mit 52 biblischen Szenen geschmückt. Überraschend war für die begeisterten Zeitgenossen des Künstlers vor allem der Gesamteindruck, die Kombination der biblischen Darstellungen mit den von antiken Vorbildern inspirierten Stukkaturen, Groteskenmalereien und illusionistischen Durchblicken in einen gemalten Himmel. Diese Verbindung christlicher Ikonographie mit dem Studium der Antike spiegelt sich auch wider in den Figuren der anbetenden Könige und ihres Gefolges, das sichtlich überrascht und neugierig dem Geschehen beiwohnt. Die Könige präsentieren ihre Gaben und küssen die Füße des göttlichen Kindes, das in eleganter Pose im Schoß seiner schönen Mutter ruht, die die Augen demütig niederschlägt.