"Sucht ist, wenn man etwas an einer Stelle sucht, wo es nicht zu finden ist," sagt Petra Müller. Seit dem 1. September arbeitet die 42-Jährige Sozialpädagogin als Glücksspielsuchtberaterin beim Diözesan-Caritasverband in Würzburg. Zwanzig solcher Stellen hat das bayerische Gesundheitsministerium in Bayern neu geschaffen. Der Glücksspielstaatsvertrag verpflichtet die Länder, Spielsucht zu bekämpfen und flächendeckende Hilfsangebote anzubieten. Angebunden sind sie an die psychosozialen Suchtberatungsstellen der freien Wohlfahrtsverbände. Eine zweite Beratungsstelle gibt es in Unterfranken beim Diakonischen Werk in Schweinfurt.
Poker, Spielautomaten, Würfelspiele oder Roulette - von der Spielleidenschaft zur Sucht ist es nur ein kurzer Schritt, hat Müller mehrfach erlebt. Die Spielleidenschaft ist weit verbreitet, etwa jeder zweite erwachsene Deutsche spielt regelmäßig um Geld. Probleme mit dem Glücksspiel haben am Anfang die wenigsten. "Es ist reizvoll, etwas zu riskieren, um am Ende – so zumindest die Vorstellung - zu gewinnen". Irgendwann aber beginnt das Spiel, den Spieler zu beherrschen. Wenn immer öfter und länger gespielt wird und die Einsätze steigen, verlieren Spielsüchtige die Kontrolle und können dem Drang zum Spielen nicht mehr widerstehen. "Es ist klar, dass darunter fast immer das Privatleben leidet," so Müllers Erfahrung. "Auch beruflich bekommen solche Menschen oft gewaltigen Stress - manche fallen ganz tief". Viele Betroffene glauben dann aber, sie könnten die Verluste wieder zurück gewinnen. Glücklicherweise werde nur ein Teil der Spieler richtig glücksspielsüchtig, weiß Müller. Und je früher ein Süchtiger professionelle Hilfe bekomme, desto größer seine Chancen auf Besserung. Richtig Spielsüchtige outen sich oft erst, wenn Haus und Hof verzockt sind. Hilfe suchten sie dann bei Schuldnerberatungen. Die neuen Beratungsstellen bieten jedoch gezielter und früher Hilfsangebote für Betroffene und ihre Familien, ist sich Müller sicher.
Eine Beratung oder längere Therapie kann helfen, die Abhängigkeit vom Glücksspiel zu bekämpfen. "Doch der Weg dorthin ist steinig," warnt Müller. Für die Betroffenen ist es nicht leicht, Hilfe zu suchen und auch anzunehmen. Vergebliche Versuche, sich selbst von der Abhängigkeit zu befreien, können die Leiden um Jahre verlängern. In ihren Beratungsgesprächen zeigt Suchtberaterin Müller den Betroffenen und ihren Partnern oder Angehörigen Hilfemöglichkeiten und auch präventive Maßnahmen auf. In einzelnen Fällen kann auch eine Behandlung in einer Fachklinik erforderlich sein. Die Beratungsstelle hilft dann bei der Vorbereitung und Antragsstellung und übernimmt die ambulante Nachsorgebehandlung. Ergänzt wird die Beratung durch eine Selbsthilfegruppe "Glücksspiel". Hier können sich Spielsüchtige und ihre Angehörige mit anderen Betroffenen austauschen.
Die Beratungsstelle im Friedrich-Spee-Haus am Röntgenring 3 in Würzburg ist zu erreichen unter Tel. 0931/386 58 300, psb.sucht@caritas-wuerzburg.de. Die Beratungen sind vertraulich und kostenfrei. Neben festen Öffnungszeiten gibt es Dienstags von 16.30 – 18.00 Uhr und Donnerstag von 10.00 – 12.00 Uhr auch offene Sprechstunden ohne Termin.