Schon wieder Caritassammlung - das Stöhnen einzelner Pfarreien dringt manchmal bis zur Caritaszentrale nach Würzburg. Die sinkende Zahl der Kirchenmitglieder und Kirchgänger, die Zusammenlegung immer mehr ehemals selbständiger Pfarreien zu großen Pfarreiengemeinschaften, der altersbedingte Schwund bei der Zahl der Menschen, die bereit sind, ehrenamtlich sammeln zu gehen und immer größere Aufgabenbereiche für immer weniger Pfarrer hinterlassen auch bei der Caritassammlung ihre Spuren. Außerdem ist sie weder die einzige öffentliche Sammlung für soziale Zwecke noch die einzige Kollekte für kirchliche Aktionen der Pfarrei.
Und dennoch, die Caritassammlung ist immer noch die wichtigste und größte kirchlich organisierte Sammlung. Allein in der Diözese Würzburg machen über 5.000 Ehrenamtliche - meist Frauen - mit. Der Ertrag der Frühjahrs- und Herbstsammlungen beträgt inklusive der Kirchenkollekte im Herbst ca. 1,2 Mio. Euro. Viel Geld für die soziale Arbeit der Caritas und Pfarreien. Immerhin dreißig Prozent bleiben in den sammelnden Pfarreien, die damit sozial-caritative Projekte vor Ort unterstützen - seien es die Sozialstationen, Altenclubs, Zuschüsse für Mütterkuren oder Einzelfallhilfen. Siebzig Prozent bekommt die Caritas zur Finanzierung sozialer Dienste. "Aber das brauchen die doch nicht, das zahlt doch bestimmt der Staat oder der Landkreis, Bezirk oder unser Bürgermeister", mögen einige denken. Falsch: Viele Dienste der Caritas wie Schuldner- und Isolvenzberatungen, Hilfen für Obdachlose, Wärmestuben, Kleiderkammern, Bahnhofsmissionen und Angebote des Allgemeinen Sozialdienstes für junge Familien, Alleinerziehende, Arbeitslose oder mittellose Menschen müssten ohne die Mittel der Sammlung eingeschränkt oder sogar eingestellt werden. Denn öffentliche Geldgeber sozialer Dienste knüpfen ihre Zuschüsse fast immer an die Bedingung, dass auch der Träger einen deutlichen Eigenanteil übernimmt.
Und nicht zu vergessen: Für viele alte und einsame Menschen ist die Caritassammlung eine Gelegenheit, ihre Sorgen bei den Sammlerinnen loszuwerden. Mal mit jemanden zu sprechen. Für einige ist es sogar die einzige Gelegenheit im Jahr. Die Caritas ist daher immer bemüht, die Sammlungen für die Pfarreien und Ehrenamtlichen attraktiv zu gestalten. In diesem Jahr gibt es erstmals vereinfachte Quittungsblöcke, die aufwendige Spendenbelege vermeiden. Die öffentliche Werbung für die Sammlung wurde deutlich ausgeweitet. Plakate zum Aushängen bekamen nicht nur die Pfarrgemeinden, sondern über 900 Einrichtungen in der Diözese - darunter z.B. über 500 Kindertagesstätten. Ein selbstproduzierter Fernsehspot - erstmals bayernweit auf den Privatkanälen in den beiden Wochen vor der Sammlung ausgestrahlt - macht auf ungewöhnliche Weise auf die Sammlung aufmerksam. Auch Bischof Friedhelm will sich in Zukunft mehr für die Sammlung einsetzen. Mit einem Auftaktgottesdienst wird er ab kommenden Jahr immer die große Herbstsammlung einläuten.
Machen Sie also mit. Spenden kann jeder. Die Caritas hilft auch jedem.