10.03.2012

„Wir brauchen professionelle Umarmer“

Caritas Demenz-Servicestelle für die Stadt und den Landkreis Kitzingen eröffnet

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Die Ansprechpartnerin der Demenz-Servicestelle Kitzingen, Sozialpädagogin Petra Dlugosch (Mitte links), interviewt von Katrin Anger-Puente von der Gemeindecaritas.

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Insgeheim fürchten viele Menschen eines Tages an Demenz zu erkranken. Und die Statistiken wirken bisweilen erschreckend. Schon heute sind in Deutschland 1,2 Mio Menschen von der Diagnose „Demenz“ betroffen; Tendenz steigend. Allein im Raum Kitzingen wohnen etwa 1240 von ihnen. Und wer selbst nicht erkrankt, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit Angehörige, Bekannte oder Menschen im Freundeskreis, bei denen sich das Alter mit seinen einschränkenden Nebenwirkungen bemerkbar macht: Defizite im Kurzzeitgedächtnis, Aussetzer bei Motorik und Sprache und unter Umständen eine veränderten Persönlichkeitsstruktur.

Deshalb ist es wichtig, nicht nur den Erkrankten, sondern auch den Angehörigen zu helfen, erklärte Alfred Volbers, Vorsitzender des Kreiscaritasverbands Kitzingen bei der Eröffnung der Caritas Demenz-Servicestelle. Die Sozialpädagogin Petra Dlugosch machte deutlich, dass man ein ganzes Netzwerk für die Region aufbauen werde. Es sei wichtig zu wissen, wer was anbiete, um gezielt bei Tagespflege oder Schulung Vermittlungsarbeit leisten zu können. Georg Sperrle, Leiter des Fachbereichs Alter und Gesundheit beim Diözesancaritasverband Würzburg, unterstrich ebenfalls die Notwendigkeit dieser neuen Einrichtung, die mit einem fünfstelligen Betrag durch die Caritasstiftung gefördert wird. Auch die Stadt Kitzingen, der Lions-Club und einige Geldinstitute unterstützen den Start.

Netzwerkarbeit ist nun angesagt. Sichten, was es schon in Stadt und im Landkreis gibt.  Man werde auch bei der neuen Servicestelle auf bewährte Konzepte zurückgreifen, erklärt Sabine Elflein, Pflegedienstleitung der Kitzinger Sozialstation und verweist auf die Erfahrungen des HALMA e.V. aus Würzburg. Gerade werden 17 Personen, vermittelt durch die Sozialstationen in Kitzingen und Volkach, in Sachen Demenz geschult.

Ziel ist es, Betroffenen und Angehörigen Teilhabe am Leben zu ermöglichen und sie vor dem Rückzug zu bewahren. Dazu gehören Schwimmen, Singen und Spielen. „Gemeinsam wollen wir uns für eine demenzfreundliche Kommune und eine demenzfreundliche Gesellschaft einsetzen“, heißt es auf der Internetseite der Servicestelle. Aber auch von den Betroffenen können wir etwas lernen, meint Dlugosch, nämlich auch auf der emotionalen Ebene zu kommunizieren. Und sie fügt schmunzelnd hinzu: „Wir brauchen professionelle Umarmer“.

Die große Zahl der Gäste, die zum Eröffnungstag erschienen waren, ist für Renate Jüstel, stellvertretende Vorsitzende des Kreiscaritasverbands Kitzingen ein gutes Omen.

Möglicherweise kann die Caritas Demenz-Servicestelle in der Kitzinger Schrammenstraße 10 Modelcharakter für andere Regionen in Unterfranken haben. Sie ist jeweils donnerstags zwischen 10 und 17 Uhr geöffnet (Terminvereinbarung: Tel.: 09321/2203-0).

Weitere Informationen finden Sie hier.

Sebastian Schoknecht



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