12.03.2010

Zum Kartoffelschnibbeln in die Haßberge

Caritasvorsitzender Bieber besucht Förderzentrum in Pfaffendorf

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Wenn man es selber macht, weiß man auch, was drin ist. Mit Daniel Meitzner (m.), dem Leiter des Förderzentrums, hatte Caritasvorsitzender Clemens Bieber (r.) bei seinen Arbeitseinsatz in der Küche Zutaten für den Kartoffelsalat geschnibbelt.

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"Das ist die erste Einrichtung, die ich in meinem neuen Amt als Caritas-Vorsitzender besuchen kann. Deshalb ist das für mich etwas besonderes“, sagte Ordinariatsrat Clemens Bieber gestern im sonderpädagogischen Förderzentrum „Dominikus-Savio-Schule“ in Pfaffendorf und Ebern. Anlässlich des Josefstages, der in diesem Jahr zum vierten Mal stattfand, hatte ihn Gesamtleiter Daniel Meitzner zu einem Besuch in das von den Salesianern Don Boscos getragene Jugendhilfezentrum eingeladen. Angesichts der in den letzten Jahren stark angestiegenen Jugendarmut stellt der bundesweit durchgeführte Aktionstag der katholischen Einrichtungen der Jugendhilfe in diesem Jahr die Jugendarmut in den Mittelpunkt. Fast jeder vierte junge Mensch zwischen 19 und 25 Jahren lebt in Deutschland nach Angaben des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung aufgrund von ungenügender Bildung, sozialer Rahmenbedingungen und Arbeitslosigkeit unterhalb der Armutsschwelle.

Nach einer Morgenfeier mit den Kindern am Standort Ebern und einem Austausch mit den dortigen Lehrkräften ging es weiter zum Hauptsitz nach Pfaffendorf. Die Schüler begrüßten ihren Gast überall herzlich, erzählten ihm viel von ihrem Alltag und führten ihn durch das Haus. Und sie luden ihn ein, in der Küche mitzuhelfen.

Schon seit acht Uhr standen einige von ihnen im Rahmen eines Kochprojektes mit Hauswirtschaftslehrerin Anja Ebert in der Küche. Sechzig Mahlzeiten galt es vorzubereiten, auf dem Speiseplan standen Schnitzel, Kartoffelsalat und Schokopudding. Beim Schnibbeln konnten die jungen Köche noch Verstärkung brauchen. Bieber ließ sich nicht lange bitten und tauschte sein Jackett gegen eine Schürze ein. Es dauerte länger als geplant. „Herr Bieber, wenn Sie mit den Kartoffeln fertig sind, müssen Sie noch 60 Zitronenscheiben für die Schnitzel schneiden“, rief ihm einer der Schüler zu. Und wie jeder Koch wollte auch Bieber ein Lob seiner Kochkunst hören. „Schmeckt Euch das Essen?“ fragte er später in die kauende Runde. „Beim Kartoffelsalat habe ich mitgeholfen.“ Scheinbar schmeckte es, die leeren Schüsseln waren Lob genug.

Nach dem Mittagessen ließ sich Bieber die gesamte Anlage mit den Wirtschafsträumen und heilpädagogischen Wohngruppen zeigen. Der zwölfjährige Dejan, der seit einem halben Jahr hier lebt, zeigte ihm einige Bewohnerzimmer, den Hausaufgabenraum, die Ziegen- und Hasenställe, das Fernsehzimmer, das Esszimmer und die Speisekammer. „Es ist mir eine große Freude, vom Hausherr persönlich durch das Gebäude geführt zu werden,“ meinte Bieber schmunzelnd zu dem Jungen.

209 Kinder besuchen die Förderschule mit ihrer angeschlossenen schulvorbereitenden Einrichtung (SVE) an beiden Standorten, 38 von ihnen leben im Rahmen der Kinder- und Jugendhilfe stationär in Pfaffendorf. 47 pädagogische Fachkräfte arbeiten hier. Die SVE, erklärte Schulleiter Veit Schmitt seinem prominenten Gast, besuchen Kinder ab dem dritten Lebensjahr mit Auffälligkeiten in Bewegung, Wahrnehmung, Sprache, Denken, Sozialverhalten oder Emotionalität. Neben dem Schulbetrieb bietet das Förderzentrum mobile sonderpädagogische Hilfen in Kindergärten und Grund- und Hauptschulen im nördlichen Landkreis Haßberge an und betreut dort Kinder mit Entwicklungsauffälligkeiten.

Bieber war sichtlich beeindruckt über das Gesehene: „Der Josefstag bot mir die Chance, Menschen mit besonderer Bildungssituation in den Blickpunkt zu nehmen. Ihre Schule und die hier erbrachten Leistungen verdienen viel Anerkennung und Aufmerksamkeit“, zollte er den Lehrkräften Respekt.

 

Ludger Heuer



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